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Warum wir uns nach Grenzverletzungen so oft selbst die Schuld geben


Serie: Was Grenzverletzungen in uns auslösen

Körperreaktionen, Selbstzweifel und späte Erkenntnis


Im ersten Teil ging es darum, warum wir manche Erfahrungen erst Jahre später wirklich verstehen.

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Wenn dieser Moment kommt und wir beginnen zu erkennen, was eine Situation mit uns gemacht hat, taucht oft noch etwas anderes auf:


Schuld.


Auch bei mir war das so. Als ich das langsam verstanden habe, kamen auch viele Zweifel in mir auf.


Immer wieder der Gedanke, ich hätte damals anders reagieren müssen.

Die Frage richtete sich dabei immer wieder gegen eine Person:

gegen mich selbst.

So entstehen Selbstvorwürfe.


Was viele Menschen nicht wissen:


Sich selbst die Schuld zu geben ist eine sehr häufige Reaktion nach Grenzverletzungen.


Viele Betroffene denken lange, dass sie die Einzigen sind, die so fühlen.

Doch tatsächlich stellen sich sehr viele Menschen ähnliche Fragen. Nicht, weil sie wirklich schuld sind. Sondern weil unser Gehirn versucht zu verstehen, was passiert ist.


Wenn wir glauben, dass wir etwas hätten anders machen können, entsteht im Nachhinein ein Gefühl von Kontrolle.


Der Gedanke lautet dann:

Wenn ich etwas anders gemacht hätte, wäre es vielleicht nicht passiert.


Dieser Gedanke kann sich manchmal sogar leichter anfühlen, als zu akzeptieren, dass eine Grenze überschritten wurde.


Hinter diesem inneren Vorwurf steckt deshalb oft ein Versuch unseres Systems, wieder ein Gefühl von Kontrolle zu bekommen.


Und genau darin liegt auch etwas anderes:

ein Schutzmechanismus.


Denn unser Nervensystem versucht immer, uns zu schützen.


Als ich das langsam verstanden habe, hat sich etwas in mir verändert.

Dann konnte ein neuer Gedanke entstehen.

Ein Gedanke, der sich am Anfang vielleicht noch ungewohnt anfühlt.


Ich trage keine Schuld.


Vielleicht braucht dieser Satz Zeit.

Doch vielleicht darf er einfach hier stehen bleiben.


Und vielleicht entsteht daraus langsam ein anderes Verständnis:


Mein System hat damals versucht, mich zu schützen.


Und mit diesem Gedanken kommt oft etwas, das viele Menschen lange nicht gespürt haben:


Erleichterung.



Nächster Artikel der Serie:

Warum wir manchmal erstarren, wenn eine Grenze überschritten wird

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