Warum wir manchmal erstarren, wenn eine Grenze überschritten wird
- Julia Brun
- 1. Juli
- 1 Min. Lesezeit

Serie: Was Grenzverletzungen in uns auslösen
Körperreaktionen, Selbstzweifel und späte Erkenntnis
Im letzten Teil ging es darum, warum wir uns nach Grenzverletzungen so oft selbst die Schuld geben.
Als ich langsam begann zu verstehen, dass ich keine Schuld trage, blieb trotzdem noch lange eine Frage:
Warum habe ich nichts gemacht?
Auch ich habe mir diese Frage lange gestellt.
Warum habe ich mich nicht gewehrt?
Warum bin ich nicht gegangen?
Warum konnte ich nichts sagen?
Lange fühlte es sich so an, als hätte ich falsch reagiert.
Viele Menschen kennen die Reaktionen Kampf oder Flucht.
Doch unser Körper kennt noch eine weitere Möglichkeit:
Erstarren.
In solchen Momenten kann der Körper still werden.
Worte fehlen.
Bewegung wird schwer.
Manchmal fühlt es sich an, als wäre man wie eingefroren.
Erstarren ist kein «Nichts tun». Es ist die Art unseres Körpers, mit einer überwältigenden Situation umzugehen.
Auch dahinter steckt ein Versuch unseres Körpers, uns zu schützen.
Und genau deshalb bleibt danach oft diese eine Frage:
Warum habe ich nichts gemacht?
Heute weiss ich:
Mein Körper hat etwas gemacht.
Er hat versucht, mich zu schützen.
Als ich das langsam verstanden habe, hat sich etwas in mir verändert.
Die Fragen wurden leiser.
Und langsam entstand Raum für einen neuen Gedanken:
Ich habe nicht falsch reagiert.
Mein Körper hat genau das getan, was ihm in diesem Moment möglich war.
Ich musste nicht länger gegen mich selbst kämpfen.
Ich bin nicht falsch.
Nächster Artikel der Serie:
Wenn dein Körper sich erinnert.




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